Realitätsflash

Jetzt endlich ist er da, der Moment auf den ich mich seit Monaten freue und mich wochenlang vorbereitet habe. Hunderte Male bin ich die Situation vor meinem geistigen Auge durchgegangen. Es knistert die Luft vor Spannung um die Wette mit dem Lagerfeuer, an dem wir sitzen.

Das Zelt ist aufgebaut und eingeräumt, der erste Tag gut überstanden. Das Abendessen schmort im Feuertopf, der Duft weckt Vorfreude.

Gemeinsam mit den drei Mädels und Jungs sitzen wir auf einer Anhöhe über dem eigentlichen  Campgelände, Mira spielt auf der Gitarre - als ich den Moment nutze und um Aufmerksamkeit bitte.


Mir ist klar, dass ich ihnen den Plan nur in kleinen Happen servieren kann, darum erzähle ich zuallererst von den Kelten und den Handelsreisenden, die es schon vor mehreren 1000 Jahren gab. Jade, Wein und Stoffe wurden schon damals über die halbe Welt gekarrt. Sie sollten nun auf Wanderschaft gehen und Waren für die Dorfbewohner mitbringen. Am selben Abend noch die notwendigen Vorbereitungen treffen, um bei Sonnenaufgang aufzubrechen.

Was ich ihnen vorenthielt, war die Tatsache, dass wir diese Reise in Begleitung von drei Eseln machen werden - dafür ist es morgen früh genug!

Acht Tage Campleben - an ruhigen, entspannten Workshops teilnehmen, ein bisschen kochen und singen - das war es, auf was sie sich eingestellt hatten. Jetzt war alles anders - ratlos die Blicke.

Mental umschalten ist nicht zwangsläufig das, was Pubertierenden mit 15 und 16 Jahren am leichtesten fällt. Mit diesen Informationen und jener, dass um 4:00h Tagwache ist, ließ ich sie alleine.

Zu meiner Überraschung waren alle zur vereinbarten Zeit parat. Jetzt war es Zeit für den Auftritt der Vierbeiner. Stummschalten, wegdrücken, unliken - nicht möglich! Verweigern schon, hat sich aber nicht durchgesetzt. Eigentlich habe ich mir erstaunte Gesichter, aber auch Vorfreude auf ein großes Abenteuer von den Sechsen erwartet - ihr Protest hingegen ließ zugegebenermaßen etwas Enttäuschung in mir aufsteigen. Aber nun gibt es kein zurück mehr - alle Motivation zusammennehmen und los geht‘s!



Eigenwillige Begleiter

Schnell wurde klar, was die ersten Herausforderungen sein würden: wie gehe ich mit einem Esel um, wie führe ich ihn richtig und vor allem, wie belade ich den Esel am Besten. Letzteres stellte sich als äußerst schwierig dar, denn auch das Beladen will gelernt sein. Die Idee, Esel mit auf die Wanderung zu nehmen, hatte einerseits einen praktischen Hintergrund, andererseits wollten wir den Jugendlichen die Erfahrung schenken, Verantwortung für ein Lebewesen zu übernehmen und den richtigen Umgang mit ihm zu lernen. Es musste natürlich darauf geachtet werden, dass die Tiere genügend zu fressen und zu trinken hatten und abends versorgt wurden, bevor man sich selber etwas zu essen macht. Damit dir dein vierbeiniger Begleiter auch über Brücken und Wasserläufe folgt, ist es unabdingbar, eine Vertrauensbasis zu schaffen.

Es hat gedauert, aber wir haben die Tiere lieb gewonnen.


Eine Bereicherung

Was ich bisher noch nicht erwähnte - und dies aus gutem Grund - war, dass wir einen Teilnehmer mit kognitiver Beeinträchtigung im Team hatten. Dies entspricht ganz dem Grundgedanken der Inklusion, nämlich jeden Menschen so zu nehmen, wie er ist, jedem die Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Wir haben die „Barrierefreiheit“ als eines unserer Kernthemen definiert. Inklusion spielt in diesem Zusammenhang eine sehr große Rolle. Für mich war es also eine Selbstver- ständlichkeit, Julian auf unsere Abenteuertour mitzunehmen. Zugegeben, auch für mich war es in diesem Kontext eine neue Erfahrung und ich hatte anfangs Zweifel, die sich allerdings bald gelegt haben. Julian war eine riesen Bereicherung für unser Team. Mit seiner fröhlichen und gelassenen Art lockerte er so manches Mal die Stimmung auf. Auch für die Jugendlichen war es eine positive Erfahrung, es war herzerwärmend  zu beobachten, wie selbstverständlich sie ihn in diesen Situationen unterstützten, in denen er sich schwer tat.


Ernste Gespräche

Wie in jeder Clique, und in diesen acht Tagen waren wir eine Art Clique, gab es auch bei uns sogenannte Alphatiere - solche, die erst mal viel Krawall machen. Dann gibt es die Anderen, denen es eigentlich gefällt, es aber nicht zugeben würden, um nicht uncool zu wirken. Speziell in diesem Alter ist der Machtkampf sehr zu spüren - dies war mir durchaus bewusst, jedoch hätte ich nicht mit soviel Gegenwind gerechnet. Am Ende der zweiten Tagesetappe und zwei Tagen jammern war für mich dann klar, es ist Zeit Tacheles zu reden. Ich habe mir die zwei Oberraunzer zu einem Einzelgespräch geholt und sie vor die Wahl gestellt. Entweder durchhalten und unvergessliche Momente erleben oder die Bahn ins Tal zu nehmen und nach Hause zu fahren. Ein weiteres Mal auf dieser Reise wurde ich positiv überrascht, die beiden haben mir in einem emotionalen Gespräch erzählt, dass es ihnen doch sehr gut gefällt. Von diesem Augenblick an war das Eis gebrochen und ich habe die Truppe von einer ganz anderen Seite erlebt.


Wanderabende

Am Abend mussten verschiedene Dinge erledigt werden: Esel versorgen, Biwak aufstellen, Holz sammeln, Feuer machen und das Essen zubereiten. Von Anfang an ließ ich sie die Aufgaben selbstständig durchführen. Eine Prozedur, die zuerst noch Stunden dauerte, funktionierte von Tag zu Tag schneller. Jeder setzte seine Fähigkeiten ein, um im Team das Beste zu geben. Später saßen wir am Lagerfeuer, ließen den Tag Revue passieren, witzelten und  betrachteten die Berge, die im Licht des Mondes glänzten. Es war Zeit für eine  letzte Überraschung - sie sollten das Nachtspiel für die Jüngeren planen und durchführen. Diese Nachricht schlug ein wie eine Bombe! Mit solch einer Euphorie habe ich sie seit Beginn des Camps noch nie gesehen. Gleich fingen sie an Ideen zu spinnen und sich eine Story zu überlegen. Ich war stolz, wie kreativ sie auf einmal sein konnten, wenn es darum ging, die “Kleinen” zu erschrecken! Und so war der letzte Abend ein langer, bis wir dann endlich den Weg in den Schlafsack fanden. 


Sonnenaufgangswanderung

Um 4:00 Uhr morgens hieß es raus aus dem warmen Schlafsack und rein in die kaltfeuchten Klamotten. Trotz aller Euphorie am Vorabend, kam selbst bei mir kurz der Gedanke auf, einfach liegen zu bleiben. Wir knipsten unsere Stirnlampen an und machten uns auf den Weg. Der Sternenhimmel war überwältigend,  gedankenversunken schritten wir durch die Nacht. Nach einer halben Stunde Marsch war der Forstweg zu Ende, weiter ging es auf einem steinigen, vom Regen ausgewaschen Pfad. Julian hatte so seine Schwierigkeiten, doch seine Teamkameraden halfen ihm. Am Gipfel waren wir schneller als geplant und hatten genügend  Zeit für den Verzehr von Schwarzbrot mit Marillenmarmelade - nirgends konnte es besser munden als hier in diesem Moment. Dann endlich - die Sonne warf ihre ersten Strahlen über die Bergsilhouette - es wurde still - alle starrten wie gebannt auf das Schauspiel, das uns geboten wurde - da wusste ich, sie hatten es verstanden.




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